GRA-Glossar: Aschkenasim

Bildung

Aschkenasim

Aschkenasim (auch: Ashkenazim) ist die Selbstbezeichnung von mittel- und osteuropäischen Juden und Jüdinnen, die durch eine gemeinsame religiöse Tradition und Kultur verbunden sind.

Seit Ende des 11. Jahrhunderts galt Aschkenas als die hebräische Bezeichnung für Deutschland. Mit der hebräischen Pluralform Aschkenasim (singular: Aschkenasi) wurde zunächst die jüdische Bevölkerung vor allem in den mittelalterlichen jüdischen Gemeinden des Rheinlandes (Speyer, Worms und Mainz) bezeichnet, später auch alle Juden und Jüdinnen Mittel- und Osteuropas. In den aschkenasischen Gemeinden entwickelten sich soziale, religiöse und rechtliche Institutionen sowie ein Ritus, Brauchtum und eine Sprache die sich von jenen der jüdischen Gemeinden im mediteranem und im islamischen Raum (den Sephardim und den Misrachim) unterschieden.

Während Sephardim und Misrachim in stärkerem Aussmass von ihrer nichtjüdischen Umwelt beeinflusst wurden, lebte das aschkenasische Judentum des Mittelalters und der Neuzeit abgeschlossener, was eine Tendenz zu Rigorosität und Fundamentalismus nach sich zog. Historisch bedeutsam und identitätsstiftend für das aschkenasische Judentum war die Tradition des Martyriums (Hebräisch: Kiddusch Haschem), die durch die Pogrome während der Kreuzzüge aufkam, sowie das Verbot der Polygamie, das durch den Schriftgelehrten Gerschom ben Jehuda (960–1028) ausgesprochen wurde.

Mit der Vertreibung und der Emigration vieler aschkenasischer Juden von West- und Mittel- nach Osteuropa im 15. und 16. Jahrhundert verschob sich das Zentrum des aschkenasischen Judentums nach Polen-Litauen. Hier entwickelte sich die mitgebrachte Sprache des Jüdisch-Deutschen zur jiddischen Sprache. Diese bewahrte den mittelalterlichen Stand der deutschen Sprache und nahm hebräische und slawische Einflüsse auf. Die jiddische Sprache wurde zum charakteristischen Merkmal der aschkenasischen Jüdinnen und Juden.

Im Mittelalter machten die Aschkenasim nur einen kleinen Teil der gesamten jüdischen Bevölkerung aus. Heute stellen sie die Mehrheit der jüdischen Bevölkerungen auf der Welt.

Der überwiegende Teil der mit Hilfe und im Rahmen der zionistischen Bewegung nach Palästina einwandernden Juden waren Aschkenasim; sie stellten die Gründungselite in Israel. In grosser Zahl wanderten Sephardim und Misrachim erst nach der israelischen Staatsgründung ein.

Siehe auch die Stichworte Sephardim und Misrachim

© GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2009

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