GRA-Glossar: Porajmos/Völkermord an den Sinti und Roma

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Porajmos / Völkermord an den Sinti und Roma

Dem Völkermord der Nationalsozialisten an den europäischen Zigeunern im Zweiten Weltkrieg fielen zwischen 220'000 und 500’000 Personen zum Opfer. Ein Teil der Roma bezeichnet diese Vernichtung mit dem Wort «Porajmos» («Verschlingen») aus der Roma-Sprache. Andere sprechen von «Kali Trash» («schwarze Angst»).

In der Rassenideologie der Nationalsozialisten waren nach den Juden die Zigeuner das Volk, das bekämpft, vertrieben und schliesslich vernichtet werden sollte. In Deutschland lebten in den 1930er-Jahren rund 30'000 Menschen der Volksstämme Sinti und Roma. Das nationalsozialistische Regime beabsichtigte parallel zur «Judenfrage» auch die «Zigeunerfrage» einer «Endlösung» zuzuführen. Bereits kurz nach Kriegsbeginn wurde die Deportation der deutschen Zigeuner nach Polen beschlossen.

Am 16. Dezember 1942 befahl Reichsführer SS Heinrich Himmler die Deportation von Sinti und Roma in die Vernichtungslager. Dieser so genannte «Auschwitz-Erlass» ist nicht mehr erhalten, wohl aber die Ausführungsbestimmungen des Reichskriminalpolizeiamts vom 29. Januar 1943: «Auf Befehl des Reichsführers SS vom 16.12.42 sind Zigeunermischlinge, Rom-Zigeuner und nicht deutschblütige Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft nach bestimmten Richtlinien auszuwählen und in einer Aktion von wenigen Wochen in ein Konzentrationslager einzuweisen. (...) Die Einweisung erfolgt ohne Rücksicht auf den Mischlingsgrad familienweise in das Konzentrationslager (Zigeunerlager) Auschwitz.»

Von den deutschen Sinti und Roma starben rund 15'000 in den Gaskammern der Vernichtungslager. Das Ausmass des gesamten nationalsozialistischen Völkermordes an den Zigeunern lässt sich nur grob abschätzen. Denn die deutsche Besatzungsmacht delegierte in vielen Ländern die Zigeunervernichtung an ihre jeweiligen Statthalterregime. Zudem waren die Zigeuner – anders als die zumeist in bürgerlichen Verhältnissen lebenden Juden – weniger in den Personenregistern erfasst. Und drittens stand dieser Völkermord lange im Schatten des grösseren an den Juden; entsprechend verspätet nahm sich die historische Forschung des Porajmos an. Heute schätzen Historiker, dass die Nationalsozialisten und ihre Verbündeten 220'000 bis 500'000 von den rund 700'000 europäischen Roma töteten. Um den Opfern die Ehre zu erweisen, wurde in den 1990er-Jahren der Bezeichnung Porajmos für diesen Völkermord gewählt. Sie ist allerdings nicht von allen Roma-Organisationen anerkannt. Russische Roma etwa sprechen von «Kali Trash» («Schwarze Angst»).

Siehe auch die Stichworte Genozid, Konzentrationslager, Endlösung, Holocaust, Shoah, Roma und Sinti, Zigeuner

© GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2009

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