GRA-Glossar

Bildung

Rampe

Rampe hiess in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten der Bahnsteig, an dem die Juden aus den Güterwagen der Deportationszüge getrieben wurden. An der Rampe fand die so genannte Selektion statt: das Aussortieren von körperlich robusten Frauen und Männern für den Arbeitsdienst. Alle anderen – die grosse Mehrheit – wurden von der Rampe weg in die Gaskammern geführt und ermordet.

Die Nationalsozialisten deportierten die europäischen Juden mit Güterzügen der Deutschen Reichsbahn in die fünf in Polen gelegenen Vernichtungslager Auschwitz, Belzec, Chelmno (Kulmhof), Sobibor und Treblinka. Daher führten Bahngeleise bis vor die Todeslager. Der Bahnsteig, an dem die Juden – oft nach tagelanger Fahrt ohne Essen und Trinken – aus den Waggons getrieben wurden, nannte man «die Rampe». Es war ein schmaler, ebenerdiger Streifen neben den Schienen, bis mehrere hundert Meter lang. Besonders bekannt ist die Rampe von Auschwitz-Birkenau (neue Rampe), an der die Züge ab Mai 1944 im Lager selbst hielten. Zuvor war die Endstation an der alten Rampe, rund ein Kilometer vor dem Lagertor.

Vor allem an der Rampe von Auschwitz-Birkenau fand die so genannte Selektion statt: SS-Leute sonderten die arbeitsfähigen Frauen und Männer aus, die zwar auch sterben sollten, aber einen Aufschub bekamen, weil man sie als Arbeitssklaven in den Industriewerken brauchte, die den Lagern angegliedert waren. Rund 90 Prozent der Ankommenden wurden von der Rampe direkt in die Gaskammern geführt und ermordet. Im Sprachgebrauch der SS hiess dieses Aussortieren an der Rampe auch «Rampendienst».

Siehe auch die Stichworte Selektion/selektieren, Konzentrationslager, Endlösung, Holocaust und Shoah

© GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2009

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