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Bildung

Araber

Araber sind Personen, die eine oder mehrere der folgenden Kriterien erfüllen: sie führen ihre Herkunft auf die ursprünglichen Bewohner der arabischen Halbinsel zurück, sie sprechen eine Variante der arabischen Sprache als Muttersprache oder sie leben in einem Staat, der Mitglied in der arabischen Liga ist.

Ursprünglich war der Begriff Araber eine Bezeichnung für die semitischen Stämme der arabischen Halbinsel. Als Folge der arabischen Eroberungszüge seit dem 7. Jahrhundert und der Ausbreitung des Islams im byzantinischen Reich und in Persien, arabisierten sich die Bevölkerungen vieler – aber nicht aller – eroberten Regionen und übernahmen die Sprache des Korans, Arabisch, als Alltagssprache. Heute sprechen über 300 Millionen Menschen eine Variante des Arabischen als Muttersprache. Sie leben im geographischen Raum zwischen Marokko im Westen und dem Irak und Oman im Osten. Die nördliche Grenze ihres Siedlungsgebiets ist das Mittelmeer, im Süden die Sahara und das Arabische Meer. In der Sahara und im Sahel, in Iran und in Zentralasien leben arabische Minderheiten, grössere Gruppen arabischer Emigranten sind in den USA und in Lateinamerika zu finden.

In diesem grossen Raum unterscheiden sich Sozialstrukturen, Wirtschaftsformen, religiöse Bekenntnisse und kulturelle Traditionen der Einwohnerinnen und Einwohner. Gemeinsam ist ihnen die arabische Sprache, die Zugehörigkeit ihres Staates zur 1945 gegründeten internationalen Organisation der arabischen Staaten («Arabische Liga»), sowie die Identifikation mit arabischer Tradition und Kultur. Nicht alle Menschen aus dem arabischen Kulturraum verstehen sich aber selbst als Araber (z.B. die Berber in Marokko, Kurden im Irak oder Juden in arabischen Ländern).

Nicht alle Araber sind Muslime und bei weitem nicht alle Muslime sind Araber. Weder die islamische Republik Iran noch die islamischen Länder in Zentralasien (u.a. Afghanistan, Pakistan, Tadschikistan) sind arabisch. Diese Regionen wurden im 7. und 8. Jahrhundert zwar islamisiert, die arabische Sprache und Kultur wurde hier aber nicht übernommen.

Zur Zeit der Entkolonialisierung (nach dem Ersten und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg) gab es einen starken arabischen Nationalismus und viele Araber verstanden sich als Teil der «Arabischen Nation». Unter der Führung des ägyptischen Staatschefs Gamal Abdel Nasser kämpften viele Nationalisten gegen die Kolonialregime in der Region und hofften auf eine Vereinigung aller arabischen Staaten zu einer Nation. Die Realität stand und steht immer noch im Widerspruch zu diesem Nationalismus: «Arabische Einheit und Brüderlichkeit» wird zwar beschworen, von arabischen Herrschern aber vor allem zur Rechtfertigung ihrer eigenen Herrschaftsansprüche verwendet und um ihren Rivalen Verrat an der arabischen Sache vorzuwerfen. In Situationen der Machtlosigkeit, wie im Palästinakonflikt, wird die Diskrepanz zwischen Realität und Ideologie besonders spürbar. So klagten 1982, wie die WochenZeitung WOZ berichtete, junge Palästinenser angesichts des Schweigens der arabischen Staaten während der Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila: «Wir sind keine Araber mehr, wie sind nur noch Palästinenser.»


Siehe auch den Eintrag Semiten

© GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2009

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