GRA-Glossar
Bildung
Rassismus
Rassismus ist eine Ideologie und eine Praxis, welche Personen und Gruppen aufgrund von tatsächlichen oder zugeschriebenen Merkmalen stigmatisiert, diskriminiert und ausgrenzt. Dabei werden die tatsächlichen oder zugeschriebenen Merkmale als unveränderbar und die diskriminierten Kollektive als minderwertig dargestellt.
Eng definiert ist Rassismus eine Ideologie und Praxis, die sich an die pseudo-wissenschaftlichen Rassentheorien des 19. und 20. Jahrhunderts anlehnt. Diese unterteilten die Menschheit anhand biologischer Merkmale in verschiedene «Rassen» und behaupteten deren Höher- bzw. Minderwertigkeit. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin wurde im Rahmen der Rassetheorien auf das soziale und politische Leben übertragen («Sozialdarwinismus»), in dem einzelne «Rassen» einen «Kampf ums Dasein» führten. Dies gipfelte in der nationalsozialistischen Ideologie der «arischen Herrenrasse».
Heute wird der Begriff Rassismus weiter gefasst und bezeichnet die Wertung von Unterschieden nicht aufgrund genetischer, sondern auch ethnischer und kultureller Art («Kultur–Rassismus»). Hier werden Differenzen in Tradition und Kultur zu «Wesensunterschieden» erklärt, die unvereinbar mit der eigenen Tradition und Kultur seien. Rassismus kann vom einfachen Vorurteil über offene, allgemeine Benachteiligung bis hin zum Völkermord reichen.
Zentral für rassistische Ideologien und Vorurteile sowie die auf ihnen beruhende Praxis der Diskriminierung sind vier Elemente:
• Unterschiede kultureller, ethnischer oder religiöser Art werden als dauerhaft gesehen und können nicht durch Assimilation, Integration oder Bekehrung beseitigt werden.
• Die Merkmale der «Anderen» werden ab- und die eigenen aufgewertet.
• Menschen der anderen Gruppe werden nicht als Individuen, sondern als typische Vertreter ihres Kollektivs gesehen.
• Damit soll die Vormachtsstellung der eigenen Gruppe oder der eigenen Person gerechtfertigt werden.
Die Grenzen zwischen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind fliessend. Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR), versteht Rassismus als eine Position, «aus der heraus gegenüber einer Gruppe aufgrund unpersönlicher Merkmale eine abschätzige Haltung eingenommen und der Einzelne wegen des negativen Gruppenbildes wie auch die gesamte Gruppe wegen negativer Einzelerfahrungen negativ beurteilt wird.»
Rassistische Theorie und Praxis sind aufgrund der Sklaverei, der Rassentrennung in den USA, dem Kolonialismus, Nationalsozialismus und der Apartheid zwar weltweit diskreditiert. Rassistische Politik, Vorurteile und Handlungen sind damit aber keineswegs verschwunden. Auch nicht bei uns, wie die Chronologie der rassistischen Vorfälle in der Schweiz auf dieser Webseite zeigt.
Siehe die Einträge Rasse, Überfremdung und Rassismus-Strafnorm
© GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2009
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