Die Chronologie «Rassismus in der Schweiz» erfasst seit 1992 alle öffentlich gewordenen Vorfälle, die auf rassistische oder fremdenfeindliche Motivationen zurückgehen (sog. Medienmonitoring). Sie dokumentiert auch öffentliche Äusserungen, die offensichtlich rassistisch oder fremdenfeindlich sind, auch wenn sie nicht unter den Geltungsbereich der Rassismusstrafnorm (Art. 261bis StGB) fallen. Die einzelnen Vorfälle werden in den untenstehenden Kategorien erfasst.
Einträge aus dem Jahr
Total 23 Vorfälle
Das Kreuzworträtsel der Zeitschrift «Polykum» des Studierendenverbandes der ETH Zürich enthält zwei rassistische Hinweise zu Lösungswörtern, die ebenfalls rassistisch und diskriminierend sind. Eines der gesuchten Lösungswörter ist das N-Wort. Die Redaktionsleiterin distanziert sich von dem Inhalt des Kreuzworträtsels und verweist darauf, dass dieses von unabhängigen Ehemaligen der ETH verfasst und vor der Publikation extern nach Funktionalität, jedoch nicht nach Inhalt geprüft wird.
Im Tages-Anzeiger erscheint ein Porträt von der Zürcher Stadtratskandidatin Sonja Rueff-Frenkel, welches die Religionszugehörigkeit der Kandidatin in den Vordergrund stellt und zugleich mehrere typische antisemitische Klischees reproduziert, so beispielsweise das uralte Vorurteil, Juden seien alle reich. Zudem vermittelt der Artikel ein rückständiges Bild von Frauen, insbesondere jüdischen Frauen. Bei zahlreichen Leser:innen stösst der Artikel auf Irritation und Kritik. Am Tag der Veröffentlichung entschuldigt sich der Tages-Anzeiger für einzelne Aussagen des Textes. Nach anhaltender Kritik folgt einige Tage später eine klare Stellungnahme der Chefredaktion. Darin entschuldigt sich diese für den ganzen Text und distanziert sich von dem Artikel. Zudem anerkennt die Chefredaktion, dass der veröffentlichte Artikel bestehende Vorurteile gegenüber Minderheiten verstärkt. In der Mitteilung der Chefredaktion heisst es, die eigenen Qualitätsstandards seien nicht eingehalten worden und die internen Kontrollinstanzen hätten versagt.
In Bern findet eine unbewilligte Coronademonstration mit ca. 2000 Teilnehmenden statt. Angeführt wird der Demonstrationszug von der rechtsextremen Gruppe «Junge Tat». Unterstützt wurden sie von den Mitgliedern der rechtsextremen Gruppe «Hammerskins», «Blood&Honour» und der «Nationalen Aktionsfront». Die Teilnehmenden skandieren «liberté» und «Berset muss weg».
Wie Medien berichten, ist ein junger Mann in Neuchâtel aufgrund seiner Hautfarbe Opfer eines tätlichen Angriffs geworden. Eine Gruppe Männer beschimpft den jungen Mann und wirft ihn zu Boden, bei dem Angriff wird dem jungen Mann ein Hakenkreuz auf die Wange geritzt. Der junge Mann erstattet Strafanzeige.
Ein Unbekannter legt einer Familie mit türkischem Nachnamen wiederholt handgeschriebene Zettel mit rassistischen Botschaften in den Briefkasten. Die Familie erstattet Anzeige.
Bei einer unbewilligten Coronademonstration in Schaffhausen werden unter den Teilnehmenden auch Mitglieder des harten Kerns der rechten Szene der Schweiz gesichtet. Im Vergleich zu den bisherigen Demonstrationen, ist dieser Demonstrationszug stärker von rechtsextremen Elementen geprägt. Die Rhetorik auf den Transparenten und in den Lautsprecherdurchsagen spiegelt die extreme Gesinnung der Teilnehmenden wider. Zu hören sind Aussagen wie: «Bereitet euch auf einen Krieg vor, kein Land wird davon verschont bleiben.» Eine Stimme ruft ebenfalls dazu auf, sich nicht unterdrücken zu lassen und sich gegen «eines der grössten Verbrechen der Menschheit» zu verbünden. Die Kriegsrhetorik richtet sich gegen die sogenannte «Kapital-Elite», ein Codewort unter Rechtsextremen für Juden. Als Gegenreaktion kippen Unbekannte Wasser auf die Demonstrant:innen und bewerfen diese mit Eiern.
In Zürich-Oerlikon fand eine Demonstration der Massnahmengegner statt. Zu Beginn der Demonstration wurden drei Personen aus der rechtsextremen Szene zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit von der Polizei in Gewahrsam genommen.
Während einer Debatte im Nationalrat im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine stört sich ein SVP-Politiker daran, dass auch diejenigen Flüchtlinge, die zwar in der Ukraine leben, jedoch keinen ukrainischen Pass besitzen, ebenfalls den Schutzstatus S erhalten sollen. In seiner Rede spricht er sich dafür aus, dass Ausländer:innen, die in der Ukraine wohnen, aber nicht Ukrainer:innen sind, in ihr Heimatland zurückkehren sollen. Zudem äussert er sich rassistisch gegenüber Personen aus dem Irak und Nigeria.
Ein Busfahrer beleidigt einen Fahrgast in Zürich aufgrund seiner Hautfarbe. Der Fahrgast bittet den Busfahrer beim Einsteigen um Auskunft. Statt eine Antwort zu geben, fährt der Busfahrer los und beschimpft den Fahrgast rassistisch aufgrund seiner Hautfarbe.
Wie Medien berichten, wurde gleich mehreren jungen Männern der Eintritt in einen Schaffhauser Club aufgrund ihrer Hautfarbe verwehrt. Der Clubbetreiber weist die erhobenen Rassismus Vorwürfe zurück.
Im Zusammenhang mit den Wahlen der Studentenschaft der HSG ist eine rassistische E-Mail im Umlauf, welche die Studierenden dazu auffordert keine Ausländer als Präsidenten der Studentenschaft zu wählen. Die Studentenschaft distanziert sich vom Inhalt der Nachricht. Es wird nach dem Urheber bzw. der Urheberin der E-Mail gesucht.
Während eines Basketballspiels zwischen dem BBC Monthey-Chablais und der Union Neuchâtel wurde ein Spieler der Mannschaft Union Neuchâtel aufgrund seiner Hautfarbe rassistisch beschimpft.
Im Zusammenhang mit unbewilligten Demonstrationen der Massnahmengegner und einer Gegendemonstration linksorientierter Gruppen rund um den Zürcher Bahnhof, ist die Polizei mit einem Grossaufgebot vor Ort. In der Altstadt hält dabei die Polizei eine grössere Gruppe gewaltbereiter Personen an und nimmt mehrere Personen für weitere Abklärungen auf die Polizeiwache mit. Wie Medien berichten, könnten diese Personen der rechtsextremen Szene zugeordnet werden.
In Sirnach werden gleich an mehreren Orten immer wieder Schmierereien registriert. Teilweise handelt es sich dabei auch um rassistische Botschaften.
Eine Politikerin empört sich über die erneute Diskussion um problematische Fastnachtskostüme und beteuert, dass die Kostüme weder rassistisch noch sexistisch sind, und beruft sich auf die «närrische Freiheit». In ihrem Tweet schreibt sie, sie werde sich als «Z*geunerin, Cowgirl oder als Indianer verkleiden und einfach Spass haben!». Das Z-Wort ist eine Fremdzuschreibung, die von Betroffenen als diskriminierend und rassistisch empfunden und daher abgelehnt wird.
Während einer Schnitzelbank-Karaoke in Basel wird ein rassistischer Vers vorgetragen, in dem mehrmals das N-Wort vorkommt. Die verantwortliche Fasnachtsgesellschaft spielt den Vorfall herunter und betont, der Vers sei nicht böse gemeint und sei deshalb «nicht so schlimm».
Unbekannte beschmieren ein Schild in Basel mit einer antisemitischen Botschaft. Auf einem Hinweisschild zu einem Impfzentrum heisst es «Fake Juden Lügen». Die JUSO BL fordern Behörden dazu auf zu handeln.
Auf ihrem Instagram-Account wird eine Schweizer Influencerin aufgrund ihrer russischen Wurzeln vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges diskriminiert und verbal angegriffen.
Ein Infektiologe einer Zürcher Klinik verweigert einem HIV-positiven Patienten die Behandlung, da dieser Russe ist. Der Arzt der Zürcher Klinik will aufgrund des Krieges gegen die Ukraine keine russischen Patienten mehr behandeln. Da der Patient in der nationalen Gesundheitsdatenbank in Russland einen Vermerk über seine Erkrankung verhindern möchte, lässt er sich seit einigen Jahren in Zürich behandeln. Eine moderne HIV-Therapie ist in Moskau nicht möglich.
Eine Leiterin einer Tennisschule in Wollerau verschickt eine Nachricht an die Eltern ihrer Tennisgruppe, in der sie darum bittet, bis zum Ende des Ukraine-Krieges, vom Besuch des Trainings abzusehen, wenn sie russische Bürger seien.
Unbekannte sprühen auf eine Fussgängerbrücke in Muttenz Hassbotschaften. In einem gebrochenen Deutsch heisst es «Kein Jude in Schwez». Der leuchtend-orangene Schriftzug ist mit einem «SS» in Runen und einem Hakenkreuz versehen. Trotz der Rechtschreibfehler und dem Umstand, dass das Hakenkreuz in verkehrter Richtung aufgesprüht worden ist, ist die antisemitische Hassbotschaft eindeutig. Die Polizei leitet Untersuchungen wegen Sachbeschädigung und Verstoss gegen die Rassendiskriminierung gemäss Strafgesetzbuch ein.
Bei einer Generalversammlung von Landi Broye im Kanton Freiburg äussert sich der Direktor in seiner Präsentation antisemitisch, indem er Juden generell nicht der Norm entsprechende Geschäftspraktiken unterstellt.
Nachdem sich ein SVP-Politiker im März in seiner Rede im Nationalrat im Zusammenhang mit Flüchtenden aus der Ukraine rassistisch geäussert hat, legt er in einem Tweet nochmals nach und äussert sich diesmal rassistisch gegenüber Sinti und Roma.