Displaced Persons (DPs)

Weitere Begriffe zum Thema Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten:

Mit dem Begriff Displaced Persons, abgekürzt DPs, werden Menschen bezeichnet, die sich am Ende des Zweiten Weltkriegs nach der Befreiung durch die Alliierten aufgrund von Deportation oder Verschleppung in Mitteleuropa ausserhalb der Grenzen ihrer Heimatländer befanden. Unter diesen Millionen von Menschen befanden sich vor allem Zwangsarbeiter:innen, aber auch ausländische Vertragsarbeiter:innen, Überlebende der Konzentrationslager sowie Kriegsgefangene der Nationalsozialist:innen, ihrer Verbündeten und politische Gefangene.

In den westlichen Besatzungszonen Deutschlands und Österreichs warteten etwa 250 000 ostjüdische Displaced Persons in Lagern auf ihre Emigration. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war die nationalsozialistische Propaganda in den Köpfen der Menschen noch immer sehr präsent. Die Shoah Überlebenden verkörperten für viele Einheimischen das von den Nationalsozialist:innen propagierte Stereotyp vom reichen «Schacherjuden» und «Wucherer». Nicht zuletzt aufgrund sprachlicher Differenzen wurden die DPs generell als Fremde betrachtet.

Die Massenmedien standen am Ende des Zweiten Weltkriegs in den US-amerikanischen Besatzungsgebieten unter der Kontrolle der Alliierten, die keinen offenen Antisemitismus duldeten. Daher äusserten sich die Vorurteile und der Unmut der Bevölkerung über die jüdischen Displaced Persons in Polizeiberichten, Eingaben bei zuständigen Behörden, aber auch realen Spannungen zwischen den Einheimischen und Lagerbewohner:innen.

Nach dem Pogrom im polnischen Kielce im Juli 1946 kam es zu einer Zunahme des Flüchtlingsstroms aus Polen stammender Jud:innen in Richtung der zahlreichen DP-Lager, insbesondere in der amerikanischen Besatzungszone. Damit wuchsen die bereits bestehenden Auseinandersetzungen, meist wurden den jüdischen DPs Kriminalität und Schwarzhandel vorgeworfen.

Die fehlende Sensibilität und die Vehemenz, mit der die deutsche Polizei die Schwarzmarkt-Razzien in den DP-Lagern durchführte, stiess bei den Lagerbewohner:innen massiv auf Widerstand. Nachdem im März 1946 ein Auschwitzüberlebender bei einer Lagerdurchsuchung in Stuttgart verstorben war, untersagte der US-Militärgouveneur Joseph McNarney der deutschen Polizei den Zutritt zu den jüdischen DP-Lagern.

Auch in Österreich waren jüdische Flüchtlinge antisemitischen Aggressionen ausgesetzt. Österreich sah sich selbst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als «das Erste Opfer der Hitlerschen Aggression», daher empfanden die Österreicher:innen gegenüber den jüdischen DPs in keiner Weise eine Verantwortung, vielmehr lehnten sie die Anwesenheit der Displaced Persons vehement ab.

© GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2022, unter Mitarbeit von Dr. phil. Darja Pisetzki, ehem. Projektmitarbeiterin der GRA.

Weiterführende Literaturhinweise:

Angelika Königseder, Juliane Wetzel, Lebensmut im Wartesaal. Die jüdischen DPs (Displaced Persons) im Nachkriegsdeutschland, Frankfurt am Main 2004.

Frank Stern, Im Anfang war Auschwitz. Antisemitismus und Philosemitismus im deutschen Nachkrieg, Gerlingen 1991.

Heinz P. Wassermann (Hrsg.), Antisemitismus in Österreich nach 1945. Ergebnisse, Positionen und Perspektiven der Forschung, Innsbruck 2002.

 

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10.04.2024

Diskriminierungsbericht 2023

Der neuste Bericht der GRA und GMS zum Jahr 2023 ist da.

Aufgrund der Ausweitung der Diskriminierungsstrafnorm Art. 261bis des Strafgesetzbuches (StGB) in den letzten Jahrzehnten, auch im Hinblick auf Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung, wurde der Bericht umbenannt und heisst nunmehr „Diskriminierungsbericht“ anstelle von „Rassismusbericht“.

Die umfassende Analyse der jährlichen Diskriminierungsfälle in der Schweiz 2023 zeigt einen sprunghaften Anstieg der antisemitischen Vorfälle nach dem Angriff der Hamas und dem nachfolgenden Krieg in Gaza. Damit einher geht eine zunehmende Sichtbarkeit von allgemein diskriminierenden Taten und Hassreden. Die insgesamt 98 registrierten Vorfälle im Jahr 2023 stellen eine Zunahme um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr dar.

Was für Schlüsse daraus zu ziehen sind und welche Konzepte im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus helfen können sind im vollständigen Bericht inklusive Interview mit Hannan Salamat vom Zürcher Institut für interreligiösen Dialog (ZIID) und der dazugehörigen Medienmitteilung zu finden.

 

Diskriminierungsbericht 2023

Medienmitteilung Diskriminierungsbericht 2023

 

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